15. September 2017 Sarah Buddeberg, MdL

Rede zur Demo „Vielfalt statt Einfalt“ am 14.09.2017 in Dresden

Sarah Buddeberg, Sprecherin für Gleichstellungs- und Queerpolitik, Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag

Liebe Menschen,

ich freu mich, dass ihr hier seid, auch wenn der Anlass, aus dem wir uns heute treffen, ein nerviger ist, nämlich der orangefarbene Bus dort hinten. Die Farbe orange ist etwas verwirrend, man könnte den glatt für ein Wahlkampfmobil der CDU halten. Das ist gar nicht so abwegig, wenn man sich erinnert, dass die Landesgruppe der CDU-Bundestagsabgeordneten aus Sachsen geschlossen gegen die Öffnung der Ehe gestimmt hat. Und Birgit Kelle, die Mitorganisatorin der sogenannten Demo für alle, ist selbst CDU-Mitglied. Es gibt also sichtbare Überschneidungen.

Birgit Kelle hat gerade ein neues Buch veröffentlicht – nein, keine Kaufempfehlung – das den Titel trägt „Muttertier. Eine Ansage“. Sie stellt darin die Behauptung auf, Mutterglück oder Mutterschaft gegen den Feminismus verteidigen zu müssen, sie stellt sich als bedrohte Minderheit dar. Das ist genauso verkehrte Welt wie die Behauptung, die Öffnung der Ehe würde die Familie bedrohen. Das ist falsch.
Es ist auch in der Debatte im Bundestag gesagt worden: Niemandem wird durch die Öffnung der Ehe etwas weggenommen. Ja, einige bekommen etwas dazu, aber niemandem wird etwas weggenommen.
Man muss sich diese Logik, mit der hier argumentiert wird, wirklich mal bewusst machen. Das ist, als gäbe es eine große Treppe, und über einen Teil dieser Treppe wird eine Rampe gebaut. Plötzlich können alle ohne Probleme nach oben: Menschen mit Kinderwagen, mit Rollator, mit einem Fahrrad, mit Rollstuhl, mit Skateboard oder mit einem schweren Rollkoffer. Und dann sagen ausgerechnet diejenigen, die gut Treppen steigen können, die schon immer problemlos und leichtfüßig über die Stufen gehüpft sind: Das ist aber jetzt gemein. Jetzt können ja alle nach oben!

Es klingt absurd, aber genau das ist die Denkweise. Wir hatten neulich im Landtag eine Debatte zur Eheöffnung, da hat Frauke Petry gesagt, ich zitiere: „Ein Privileg, das jeder haben kann, ist kein Privileg.“ – Glückwunsch zu dieser Erkenntnis, denn genau darum geht es, um die Idee einer gerechten Gesellschaft. Dazu gehört es, Privilegien abzubauen, Eheprivilegien abzuschaffen und Familien da zu fördern, wo sie stattfinden!

Die Eheöffnung war ein wichtiger und längst überfälliger Schritt. Aber Ehe allein reicht nicht! Die sogenannte Demo für alle richtet sich gegen Vielfalt in den Bildungsplänen. Gestern ging durch die Medien die Veröffentlichung einer Studie vom Deutschen Jugendinstitut.

Danach erleben acht von zehn LGBTIQ*-Jugendlichen Diskriminierungen. deshalb ist Vielfalt im Bildungsplan nicht mehr und nicht weniger als Gewaltprävention. Hier geht es nicht um Meinungsfreiheit, hier geht es um Menschenrechte. Es geht um den Schutz vor Gewalt und Diskriminierung. Und das muss im Grundgesetz verankert werden, damit nicht eine einfache Mehrheit im Bundestag schwer erkämpfte Verbesserungen wieder kippen kann. Wir als LINKE fordern deshalb mit vielen anderen die Ergänzungen des §3 GG: Niemand darf auf Grund von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität diskriminiert werden. Das ist die Grundlage für eine offene Gesellschaft, für Gerechtigkeit für alle.


Wir sind hier und wir werden nicht verschwinden, Bus hin oder her. Ich habe es den rechtskonservativen im Landtag neulich schon gesagt, aber ich wiederhole es gern nochmal an die Adresse des Busunternehmens:
Some people are gay. Get over it!

Kategorien: Gleichstellung

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